Klaus Huber: ... inwendig voller figur...

Werkkommentar von Max Nyffeler

Klaus Huber schrieb ...inwendig voller figur... 1970/71 im Auftrag der Stadt Nürnberg zum "Dürer-Jahr" 1971, die Uraufführung erfolgte am 19.3.1971 unter der Leitung von Hans Gierster. Nach Soliloquia (1959/64) ist die rund 25-minütige Komposition sein zweites oratorisches Werk. Huber ordnete es später einer Schaffensphase zu, die er als "Ersten Ausbruch" mit Stücken "in Richtung Zeitkritik/Engagement" charakterisierte und auf die Jahre 1969-71 datierte.

"Ausbruch" ist hier durchaus im doppelten Sinn zu verstehen: einerseits kompositorisch als Erschließung neuer Techniken und Ausdrucksmittel, andererseits sozial als ein Versuch, unter dem Einfluss der Protestbewegung der sechziger Jahre die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft neu zu definieren und mit der Musik zu Fragen der Zeit Stellung zu beziehen. Selbstverständlich war das nicht. Huber, 1924 in Bern geboren, ging damals immerhin schon auf die Fünfzig zu und hatte bisher eine Musik geschrieben, die zu einer religiös gefärbten Innenschau neigte. Hier nun komponierte er ein Stück, in dem Bibelverse und ein Text von Albrecht Dürer aus dem Blickwinkel der Gegenwart neu gedeutet und zu einer aktuellen politischen Aussage umgeformt werden.

Ausgangspunkt der kompositorischen Überlegungen war das Dürers Aquarell Traumgesicht von 1525. Dem Bild fügte Dürer einen Kommentar bei: Er habe im Traum gesehen, wie "viele große Wasser vom Himmel fielen" und das ganze Land ertränkten. Huber stellt die Weltuntergangsvision in den Zusammenhang der Endzeit-Prophetien...

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