Zum Tod von Willy Hans Rösch, dem Gründer des Künstlerhauses Boswil

Willy Hans Rösch, Gründer und langjähriger Leiter der Stiftung Künstlerhaus Boswil, ist am 27. Februar im Alter von 76 Jahren gestorben. Unter seiner Leitung hat die Stiftung im schweizerischen Boswil seit den frühen siebziger Jahren vor allem im Bereich der neuen Musik vielfältige Aktivitäten entwickelt.
    Der ursprüngliche Zweck des 1953 gegründeten Kulturzentrums war die Einrichtung eines Altersheims für mittellose Künstler. Für seine Idee konnte Willy Hans Rösch international bekannte Musiker wie Pablo Casals, Clara Haskil, Yehudi Menuhin, Marcel Moyse, Aurèle Nicolet, Heinz Holliger und viele andere begeistern. Sie alle spielten in der Alten Kirche ohne Honorar zugunsten des Stiftungszwecks, manche von ihnen blieben dem Künstlerhaus jahrzehntelang treu.
    In den siebziger Jahren trat die Idee des Altersheims in den Hintergrund. Boswil entwickelte sich zu einer offenen Kulturwerkstatt und einem Ort der Reflexion über Kunst und Gesellschaft mit internationaler Ausstrahlung. Es war damals auch einer der wenigen Orte, wo ein kultureller Austausch mit den sozialistischen Ländern unterhalb von Staats- und Verbandsebene möglich war. Trotz großer bürokratischer Hindernisse setzte sich Rösch immer wieder persönlich dafür ein, Künstler aller Sparten, vor allem Komponisten, zu Veranstaltungen und Arbeitsaufenthalten einzuladen. Viele der Ost-Komponisten, die in den siebziger und frühen achtziger Jahren im Westen "entdeckt" wurden, fanden den Weg in die westlichen Konzertsäle nicht zuletzt über Boswil, so unter anderem Marek Kopelent, Paul-Heinz Dittrich, Friedrich Goldmann, Friedrich Schenker, Edison Denissow und Arvo Pärt.
    Eine inzwischen lange Tradition haben auch das Komponistenseminar, das 1969 von dem mit Rösch befreundeten Klaus Huber initiiert wurde, und das Internationale Musikkritikertreffen "Musikkritik in dieser Zeit".

Nachruf