Ein vergessenes Bühnenmärchen: Die Vögel von Walter Braunfels
Von der Komödie von Aristophanes übernimmt Braunfels’ Libretto nur den Handlungsrahmen; die satirisch-gesellschaftskritischen Elemente in der antiken Vorlage bleiben außen vor, an ihre Stelle tritt die Sehnsucht nach der unentfremdeten Natur und die Suche nach der blauen Blume der Romantik. Eine solche Thematik dürfte einer Wiederbelebung des Werks nach 1945 extrem hinderlich gewesen sein. Dazu kommen dramaturgische Schwächen: Die Musik breitet sich allzu oft quasi-sinfonisch aus, was den Fortgang der Handlung lähmt. Doch ist die Partitur reich an Farben, und so gelingen Braunfels immer wieder stimmungsvolle Momente. Vor allem die zentrale Figur der Nachtigall (Désirée Rancatore) verströmt mit ihren lyrischen, irgendwo zwischen der Königin der Nacht und Zerbinetta angesiedelten Koloraturen atmosphärischen Zauber. Die Los Angeles Opera setzte bei ihrem mutigen Wiederbelebungsversuch auf eine bilderbuchhafte Inszenierung mit einem knallbunten, fernsehgerechten Bühnenbild, in dem der Regisseur Darko Tresnjak seine Figuren leider meist nur hilflos herumstehen lässt. Offensichtlich wollte man bei dem unbekannten Werk szenisch auf Nummer sicher gehen, doch gerade damit wurde viel von einer möglichen Wirkung verschenkt. Durchaus gelungen ist dagegen die musikalische Seite. Auch wenn ein gewisser Wiedergängereffekt nicht abzustreiten ist: Die Ausgrabung ist nicht ohne Reiz. © Max Nyffeler 2011
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