Il ritorno d'Ulisse in Patria von MonteverdiPackende Aufnahme mit William Christie
Da die Originalpartitur verschollen und die Quellenlage widersprüchlich ist, sind die Aufführungen des Ulisse stets nur Annäherungswerte. Vor allem die Instrumentation wird je nach Standpunkt ganz unterschiedlich rekonstruiert. Harnoncourt bevorzugt ein farbenreiches Orchester und fügt beim Auftritt Neptuns sogar Blechbläser hinzu, entsprechend der Praxis am reichen Hof von Mantua, die man etwa von Monteverdis Orfeo her kennt. Anders der englische Dirigent Christopher Moulds bei der Münchner Inszenierung des Ulisse von 2003: Er reduzierte die Besetzung auf Streicher und Continuo mit der Begründung, die Uraufführung des Ulisse 1640 in Venedig sei vor zahlendem Publikum erfolgt, und auf dem freien Markt seien damals höfisch-opulente Besetzungen nicht mehr möglich gewesen. William Christie geht mit Les Arts Florissants einen etwas anderen Weg. Die Streicher und die sehr farbige Continuo-Gruppe ergänzt er äußerst sparsam mit Kornett und Blockflöte, was zusammen mit dem Dulzian-Orgelregister den Klang an wenigen, aber entscheidenden Stellen hell auflichtet. Die Sängerbesetzung könnte überzeugender nicht sein. Der Kroate Kresimir Spicer als Ulisse und die Serbin Marijana Mijanovic als Penelope ergänzen sich hervorragend. Beide verfügen über ein breites, genau kontrolliertes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten; die Sängerin hat obendrein das Zeug zur großen Tragödin. Die Inszenierung von Adrian Noble verzichtet auf alle Mätzchen. Sie spielt die komischen Momente mit der nötigen Derbheit aus und konzentriert sich ansonsten ganz auf das menschliche Drama, das in Monteverdis Komposition auch nach fast vierhundert Jahren nichts an Faszination eingebüsst hat. © Max Nyffeler 2004
(Mai/2004) |