"Entführung" mit Giorgio Strehler: Faszination in Schwarz-WeißDie bemerkenswerte Salzburger inszenierung von 1967 ist nun auf DVD zu sehen
Mit wenigen, aber unerhört präzis eingesetzten Mitteln erzeugt Strehler ein Maximum an dramatischer Wirkung, woran das stilisierte Bühnenbild von Luciano Damiani mit seinen Schiebekulissen, blitzschnellen Szenenwechseln und ausgetüftelten Lichteffekten massgeblichen Anteil hat. Charakteristisch für die reduktionistische Ästhetik sind die Momente, in denen die Vordergrundbeleuchtung aussetzt und von einem hellen Schimmer auf der Rückwand abgelöst wird, der die Figuren nur noch als Schattenriss erscheinen lässt. Mozarts aufklärerisches Orientmärchen wird mit einer Naivität zweiten Grades erzählt, ohne den ganzen Abhub an kulturtheoretischen Spekulationen, Gendertheorien und Sexfantasien, mit denen einfallswütige Regisseure das Werk heute beschweren, in Verkennung der Tatsache, dass es mit seiner zeitlosen Aussage solche „Aktualisierungen“ gar nicht nötig hat. Strehlers Inszenierung konzentriert sich ganz auf die Charakterisierung der Personen und die Darstellung der inneren Vorgänge. Auch musikalisch setzt diese historische Aufnahme Massstäbe; gesungen wird auf einem Niveau, von dem man heute nur noch träumen kann. Unter der Leitung des jungen Zubin Mehta musiziert ein perfekt aufeinander abgestimmten Ensemble mit einer alles überragenden Ingeborg Hallstein als Konstanze. © Max Nyffeler 2011
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