Christoph Loy inszeniert Mozarts EntführungEine bemerkenswerte Produktion der Oper Frankfurter
Der Regisseur der Frankfurter Inszenierung, Christoph Loy, hat auf die üblichen Striche in den Dialogen fast ganz verzichtet und bringt die Sänger dazu, die langen Sprechpartien mit großer Leidenschaft auszuagieren. Die schauspielerische Detailarbeit setzt unerwartet neue Facetten in der Psychologie der Figuren frei und schärft das Profil von Mozarts Musik. Unterstützt wird das durch die frischen Tempi und die kraftvollen Impulse der Dirigentin Julia Jones. Aus der bilderbuchhaften Aufklärungsfabel vom Sieg des Guten über dumpfe Rachegelüste wird ein menschlich anrührendes Beziehungsdrama über die Versuchungen und seelischen Verwicklungen von vier sehr unterschiedlichen Charakteren, die das Schicksal aneinandergekettet hat. Das Ganze könnte sich auch hier und heute zutragen. Barrie Gavin, Autor unter anderem eines bemerkenswerten Porträtfilms über Hans Werner Henze, hat das Hin und Her der Gefühle mit unaufdringlicher Präzision aufgezeichnet. In den Hauptrollen ist ein vorzügliches Solistenquartett zu erleben. Herausragend Jaco Huijpen in der Rolle des Osmin und vor allem Diana Damrau als Konstanze. In der Marter-Arie schleudert sie dem Bassa Selim ihre Emotionen mit ungeheurer Wucht an den Kopf, ohne auch nur einen Moment lang die Kontrolle über ihre Stimme zu verlieren. © Max Nyffeler 2006
(Mai/2006)
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