Roberto De Simone inszeniert Pergolesis Lo frate ’nnamoratoMusiktheater mit neapolitanischem Witz
Die Handlung des 1732 entstandenen Werks verbindet in stark formalisierter Weise Motive und Figuren der Commedia dell’arte-Tradition mit Elementen des Zeitgeschmacks: Zwei reiche Alte, der eine gichtig, der andere saudumm, wollen einander ihre Töchter respektive Nichten verkuppeln und mit einer dritten auch noch gleich den abartigen Sohn beglücken. Was die drei charmanten jungen Damen natürlich nicht mitmachen. Daraus entspinnt sich das übliche Intrigenspiel, das sich dadurch löst, dass sich der junge, umschmachtete Adoptivsohn ein Vorläufer von Mozarts Cherubino als echter und damit heiratsfähiger Sohn entpuppt. Was diese Produktion unbedingt sehens- und hörenswert macht, ist zunächst die Regie von Roberto De Simone, einem intimen Kenner der neapolitanischen Kultur. Sprache, Gestik und Musik bilden eine vollendete Einheit. Sie verdichten sich besonders in den komischen Momenten zu raffinierter Symbolik, doch geht Stilisierung nie auf Kosten der Lebendigkeit. Sodann die Sängerbesetzung: Das gesamte Ensemble agiert stimmlich wie darstellerisch gleichermaßen auf hohem Niveau ein Glücksfall. Getragen wird das Ganze aber vor allem von Pergolesis unerhört facettenreicher Musik. Sie hat an Frische, Einfallsreichtum und Charakterisierungskunst bis heute nichts verloren. Da ist sogar Riccardo Mutis klassizistisches Klangideal, das einen absoluten Gegenpol zu den Manierismen mancher historischer Aufführungspraktiker bildet, auf Dauer zu ertragen. © Max Nyffeler 2005
(Januar/2005) |