City Life, eine Großstadtvision von Steve ReichEin nicht ganz klischeefreier Fernsehfilm mit dem Ensemble Modern unter Sian Edwards
Der für das Fernsehen gedrehte Film von Manfred Waffender dokumentiert die Entstehung des Stücks und die Aufführung in der Alten Oper Frankfurt durch das Ensemble Modern unter Sian Edwards. Die Erläuterungen von Steve Reich in seinem Studio und am Ufer des Hudson River werden durch die typischen Momentaufnahmen aus dem New Yorker Alltagsleben unterlegt: die multiethnische Menschenmenge auf der Straße, gelbe Taxis, Polizisten, Straßenhändler, Szenen aus Slum, Restaurant, Fischmarkt. Das ist nicht immer frei vom Fernsehklischee, aber stets realitätsnah und wirkt in der dichten Schnittfolge atemlos gegenwärtig. Außerdem passt es ganz gut zum stets etwas gestressten Tonfall, in dem der Komponist über seine Konzeption und seine biografische Verbundenheit mit der Stadt spricht. Die Bilder werden auf zunehmend sparsame Weise auch in Aufnahmen von den Proben und der Aufführung heineingeschnitten, was der ganzen, rund einstündigen Produktion ein einheitliches Aussehen verleiht. Dokumentation und Konzertmitschnitt gehen nahtlos ineinander über. In seiner Ruhelosigkeit und untergründigen Anspannung trifft City Life das Lebensgefühl der Bewohner heutiger Megastädte recht genau. Indem der Film den Gestus auf der visuellen Ebene wiederholt, erreicht er eine wirkungssichere atmosphärische Verdichtung. Etwas mehr distanzierte Reflexion hätte aber nicht geschadet. © Max Nyffeler
(November/2007)
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