Viermal drei TenöreSchwarzweiß und Kratzgeräusche: Belcanto aus der Schellackzeit
Nach der ersten DVD mit Porträts italienischer und deutscher Belcanto-Tenöre (Enrico Caruso, Beniamino Gigli, Tito Schipa, Richard Tauber, Leo Slezak, Joseph Schmidt) werden nun in einer zweiten Folge sechs weitere Sänger in Filmausschnitten und bebilderten Tonbeispielen vorgestellt, diesmal aus Skandinavien, Irland, Frankreich und Russland: Lauritz Melchior, Helge Rosvænge, Jussi Björling, John McCormack, Georges Thill und Ivan Kozlovsky. Im Vergleich zu den heutigen Hochleistungstenören, die ihre Wirkung mit forcierter Brillanz und Technik erzielen, erscheinen diese Altmeister des Belcanto wie geheimnisvolle Zauberer, die ihre Gesanglinien scheinbar mühelos und in vollendeter Schönheit aus ihrem Körper hervorzulocken vermögen. Die auratischen Originalaufnahmen und nostagischen Erinnerungen werden ergänzt durch sachkundige Kommentare Jürgen Kestings über Stimmcharakteristik und kulturelle Hintergründe der Sänger. Einmal mehr wird ersichtlich, wie stark die Ästhetik des Gesangs im 20. Jahrhundert durch die technischen Mittel wie Film und Schallplatte geprägt ist. Die Porträts sind somit auch unter medialen Gesichtspunkten von Interesse. Diese sind auch Thema eines Zusatztracks über die Aufnahme- und Speicherungsverfahren der Schellackzeit. Leider ist er etwas summarisch geraten, und die pseudophilosophischen Erklärungsversuche hätte man sich ersparen können. © Max Nyffeler 2005
(November/2005)
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