Der blinde Liszt-VirtuoseDer Van Cliburn-Wettbewerb in Texas mit dem einzigartigen Nobuyuki Tsujii
Eine Hauptfigur der Dokumentation ist der blinde zwanzigjährige Japaner Nobuyuki Tsujii. In der Nervenhölle des Wettbewerbs erspielte er sich 2009 mit traumwandlerischer Sicherheit den ersten Preis, ex aequo mit dem Chinesen Haochen Zhang. Von Mozart über Paganinis Campanella-Etüde bis zum Klavierkonzert von Tschaikowsky sieht man ihn, wie er blicklos am Flügel sitzt und alles intuitiv richtig macht. Das Publikum quittiert diese Leistung mit Standing Ovations und blankem Erstaunen. Der altersweise Menahem Pressler, Gründer des berühmten Beaux Arts Trios und Wettbewerbsjuror, findet im Interview die richtigen Worte, um das Unbegreifliche begreiflich zu machen. Richtige Kunst, erklärt er, ist eben doch mehr als geschäftsmäßige Materialbeherrschung und Fingerfertigkeit, sondern hat etwas mit einer besonderen Gabe zu tun, die sich nicht antrainieren lässt. In einem solchen Moment der Reflexion weicht die circensische Betriebsamkeit, die die Musikwettbewerbe kennzeichnet und die hier atmosphärisch konzentriert eingefangen ist, einen Moment lang dem Innehalten. Ein bewegender Höhepunkt in einem an großen Emotionen reichen Film. © Max Nyffeler 9/2011
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