Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann: Seriell überhöhte NiedertrachtVerblüffend einfache Bühnenlösung für ein komplexes Bühnenwerk
Der Regisseur David Pountney und der Bühnenbildner Robert Innes Hopkins lassen die Handlung von der naiven Kleinbürgertocher, die den grausamen Soldaten zum Opfer fällt, auf einem über hundert Meter langen und drei Meter breiten Steg in der Mitte der Halle spielen. Das erlaubt es der Inszenierung, die dicht gedrängten Simultanszenen zu entzerren und durch die räumliche Perspektive zugleich Zusammenhänge zu schaffen, die auf einer Guckkastenbühne nicht möglich wären. Das Orchester sitzt auf der einen Seite des Stegs, auf der andern fährt auf einer Schiene ein beweglicher Tribünenwagen, der das Publikum zu den jeweiligen Handlungsorten bringt. Die Sänger bewältigen ihre horrend schwierigen Partien mit Bravour und einer Textverständlichkeit, die die fehlenden Untertitel kaum vermissen lässt. Das Klangbild ist von einer erstaunlichen Transparenz, was gewiss in erster Linie der großen Sicherheit und Umsicht zu verdanken ist, mit der der Dirigent Steven Sloane den riesigen Apparat durch den Abend führt, dann aber auch der vorzüglichen Aufnahmetechnik. Auch die filmische Aufbereitung der DVD lässt keine Wünsche offen. Die Kameras führen den Zuschauer aus wechselnder Perspektive dicht an die Figuren heran, der Raum mit seinen weiten Durchblicken und dem Stahlgewirr in der Höhe wird immer wieder in die Handlung einbezogen und bildet einen kalten Kommentar zum grausamen Geschehen auf der Bühne. Insgesamt eine Produktion, die die Komplexität dieses maßstabsetzenden Werks angemessen wiedergibt und zugleich in verständliche Bilder auflöst. © Max Nyffeler
(Oktober/2007)
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